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Die
Inselbahn Spiekeroog
Die
Inselbahn auf Spiekeroog wurde am 29. Mai 1981 eingestellt. Bei vielen
Kleinbahnfreunden galt sie als die schönste Bahn, obwohl sie nur einen
vergleichsweise bescheidenen Betrieb vorweisen konnte und über einen
sehr überschaubaren Fahrzeugpark verfügte. Sie mußte dem
Neubau eines ortsnahen Hafens weichen, der die langen Transportwege zwischen
dem Anleger im Südwesten und dem Inselort überflüssig machte.
Lediglich eine etwa 1 Kilometer lange Strecke zwischen dem Bahnhof und
dem Westen der Insel blieb erhalten und wird seit Juni 1981 als Deutschlands
einzigste Museums-Pferdebahn erhalten.
Eben
mit dieser Teilstrecke begann im Jahre 1885 auch das Zeitalter der Eisenbahn
auf der Insel Spiekeroog. Die von den anderen Inseln bekannten Probleme,
dass der Anleger für die Schiffe zum Festland nur weit entfernt im
Watt errichtet werden konnte, gab es natürlich auch hier. Doch das
Hauptinteresse der Spiekerooger lag in erster Linie an einer Schienenverbindung
des Inselortes zu dem großen Badestrand im Westen der Insel, damit
die wenigen Badegäste nicht durch zu lange Fußwege abgeschreckt
wurden. Die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zum Festland war
dabei zunächst zweitrangig. Die "Bad und Reederei Spiekeroog mbH"
nahm am 9. Juli 1885 eine 1.660 Meter lange Pferdebahnstrecke in Betrieb,
die direkt vom Dorf aus bis zum Westen zur dortigen Givtbude verlief, wo
sich der »Herrenbadestrand« befand. Im Ort wurde dafür
eine kleine Wagen- und Pferderemise eingerichtet. Die kleinen Wägelchen
der Bahn hielten an fünf Haltestellen auf ihrem Weg.
Zu
diesem Zeitpunkt liefen auf Spiekeroog bereits Befestigungsmaßnahmen
für den Westkopf der Insel, wie sie zu dieser Zeit z.B. auch auf Wangerooge
durchgeführt wurde. Ein Bauunternehmer errichtete daher eine Transportbahn,
die auf halbem Wege der Pferdebahnstrecke abzweigte (Abzweig bzw. Haltepunkt
West) und südlich bis in das Watt verlief. Auf Unterbau wurde weitgehend
verzichtet, da dieses Gleis nur dem Materialtransport dienen sollte. Das
änderte sich 1891, denn auch Spiekeroog sollte einen Anleger bekommen.
Das bestehende Materialgleis wurde nur um wenige hundert Meter verlängert
und endete an dem hölzernen Anleger. 1896 schließlich ging die
Inselbahn endgültig in Betrieb, betrieben ausschließlich mit
kleinen zweiachsigen und von Pferden gezogenen Wägelchen. Durch das
geringe Gewicht der Wagen war auch eine Verbesserung des Unterbaus nicht
notwendig. Am Wattufer blieb das Gleis einfach auf dem Boden liegen und
wurde nicht weiter aufgeständert, so dass die Fahrt der Wagen meistens
durch das Wasser in Ufernähe ging.
Der
bescheidene Betrieb verlief viele Jahre in dieser Form ohne große
Änderungen. Im Jahre 1924 ging die Hälfte der Anteile der Betreibergesellschaft
in private Hände, während der alte Pferdebahnendpunkt in Dorfmitte
aufgegeben wurde und die Pferdebahn etwas weiter westlich bereits ihren
Endpunkt fand.
Im
Winter 1926 wurde der Anleger nach fast 30 Jahren durch Eisgang zerstört.
Bis zur Saison 1927 hatte die Insel eine neue, deutlich massivere Brücke
gebaut, die nun auch wintersicher war und somit einen ganzjährigen
Betrieb ermöglichte. Kurz darauf wurde der Badebetrieb am Weststrand
aufgegeben und in Dorfnähe verlegt. Die Fahrten in den Westen der
Insel konnten damit aufgegeben werden, das Gleis blieb aber liegen. Im
Jahre 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Im Gegensatz zur Nachbarinsel
Wangerooge, auf der das Streckennetz im Zusammenhang mit der gewaltigen
Aufrüstung enorm ausgebaut wurde, blieb die Spiekerooger Strecke ohne
Veränderungen bestehen. Die Veränderungen traten erst nach 1945
ein: Die umfangreichen Militärgleise auf Wangerooge wurden abgebaut
und zur Erneuerung der Spiekerooger Gleisanlagen verwendet. Der Anleger
von 1927 wurde verstärkt und das bisher auf dem Wattboden liegende
Gleis auf einer neuen Pfahljochstrecke auf die Brücke hinaufgeführt.
Aus Gründen des Hochwasserschutzes erhielt ein Großteil der
Bahn einen neuen Streckenverlauf, der in einem großzügigeren
Bogen weiter westlich der bisherigen Strecke verlief und erst in Wattnähe
wieder auf das alte Gleis traf. Im Jahre 1949 wurde darauf hin die rundumerneuerte
Inselbahn Spiekeroog in Betrieb genommen. Die "alte" Strecke zwischen dem
Abzweig West und dem Wattufer wurde aufgegeben und abgebaut. Auch bei den
Fahrzeugen gab es nun Veränderungen: Bis zum 31. Mai 1949 fuhren immer
noch die Pferdewagen zwischen dem Anleger und dem Inselort – als letzte
Pferdebahn Deutschlands! –, am folgenden Tag wurde der Betrieb mit zwei
von Wangerooge übernommenen ehemaligen Marinefahrzeugen "verdieselt".
Als Triebwagen 1 wurde eine Draisine bezeichnet, die 1933 vom Artilleriedepot
Wangerooge beschafft worden war. Die Nr. 2 wurde an eine Deutz-Diesellok
vergeben, die eigentlich für die Marinebahn auf Helgoland bestimmt
war, aber 1943 nach Wangerooge gelangte. Neben ebenfalls übernommenen
Güterwagen wurden die Pferdebahnwagen noch kurze Zeit weiterverwendet.
Zwischen
1958 und 1961 investierte die Inselbahn in einen neuen Bahnhof am westlichen
Ortsrand, um den alten Endbahnhof aufgeben zu können. Es entstand
ein großzügiger Bahnhof mit Güter- und Fahrzeugschuppen
inklusive Werkstatt. Das Gleisbild wurde mehrfach verändert und präsentierte
sich dem außenstehenden Betrachter über viele Jahre als kunterbuntes
Gleisdurcheinander. Im Jahre 1960 hatten die "Beförderungsfälle"
bereits die 50.000er-Marke überschritten, die Inselbahn hatte bereits
drei Jahre zuvor bei der Diepholzer Firma Schöma eine neue Diesellok
bestellt. und z.B. von der Kleinbahn Leer-Aurich-Wittmund mehrere Wagen
übernommen. 1963 wurde auch das Wasser- und Schiffahrtsamt aktiv und
baute parallel zu dem bestehenden Anleger einen weiteren massiven mit einem
eigenen Gleisanschluß. Auf einer eigenen Pfahljochstrecke und einem
parallelen eigenen Gleiskörper konnte das WSA nach der verheerenden
Sturmflut von 1962 eigene Transporte zum Bauhof im Westen der Insel vornehmen,
ohne den regulären Bahnverkehr zu stören. Ab dem Haltepunkt Zeltplatz
lief die WSA-Strecke durch die Westdünen bis zum Bauhof und schloß
dort an die noch vorhandenen Gleisreste der alten Strecke zum Weststrand
an, so dass der Bauhof nun auch vom Inselbahnhof aus in beide Richtungen
angefahren werden konnte.
Zwischenzeitlich
erweiterte die Inselbahn ihren Fahrzeugpark um einen gebrauchten Triebwagen
und eine fabrikneue Diesellok, außerdem um zahlreiche Wagen von anderen
stillgelegten Betrieben. 1965 und 1968 übernahm die Inselbahn den
WSA-Anleger und das neuere WSA-Gleis bis zum Zeltplatz. Die alte Strecke
von 1949 wurde teilweise abgebaut, die alte Pfahljochstrecke existierte
aber noch lange Jahre später. Das WSA-Gleis zwischen Zeltplatz und
dem Hp West konnte nie regen Verkehr vorweisen und wurde in den 1970er
Jahren nur noch selten genutzt.
Nach
der Fertigstellung des neuen ortsnahen Hafens wurde die Inselbahn Spiekeroog
am 29. Mai 1981 eingestellt. Bis 1982 herrschte noch auslaufender Güterverkehr
auf der Inselbahn, danach wurden 1984 und 1985 die Gleise allmählich
abgebaut – mit Ausnahme des Gleises zwischen Bahnhof und dem Haltepunkt
West. Ein Großteil der Fahrzeuge fand bei den benachbarten Inselbahnen
auf Langeoog und Wangerooge eine neue Bleibe. Lok 4 blieb mit zwei Personen-
und einem Güterwagen am Bahnhof als Denkmal stehen, während es
auf dem erhaltenen Streckenabschnitt in den Sommermonaten einen bislang
in Deutschland einzigartigen Museumsbetrieb mit einem Pferdebahnwagen gibt
– in Erinnerung an den Ursprung der Inselbahn vor 115 Jahren. |